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Gesprächsreihe in der Kunstfabrik am Flutgraben Juni – August 2010

Ein Projekt von Elske Rosenfeld in Kooperation mit der Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte, mit freundlicher Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin

Konzept:

Die Veranstaltungsreihe verstand sich als eine Fortsetzung, aber auch eine erste Rückschau auf die Gedenkprozesse zum 20-jährigen Jahrestag der friedlichen Wende von 1989/90. Teilnehmerinnen waren eingeladen, sich in einer Reihe von Gesprächen und Präsentationen dem historischen Zeitraum 1989/90 noch einmal anzunähern, um der Frage nachzugehen, welche Formen der Bezugnahme aus dem Heute auf diese Zeit als einschneidender politischer Erfahrung möglich sind – und was sie uns über die Möglichkeiten politischen Handelns heute zu sagen haben könnte.

Die Erfahrung von 1989/90 war für ihre Protagonisten – in der DDR und anderen osteuropäischen Ländern – eine tiefe biografische Zäsur, die eine weit reichende Neuordnung der politischen, aber auch persönlichen Lebensumstände und Vorstellungswelten einleitete. Dieser Zeitraum war aber nicht nur als ein solcher Moment des Übergangs wichtig, sondern stellte auch an sich eine profunde politische Erfahrung dar: einen kurzen, aber intensiven Zeitraum, in dem es möglich und nötig war, sich über alle Aspekte des Zusammenlebens gemeinsam neu zu verständigen. Dieses Erleben eines Moments der umfassenden politischen Teilhabe lebt in vielen Protagonisten als einmalige politische Erfahrung fort.
Gleichzeitig läuteten diese Ereignisse aber auch über die Grenzen ihrer unmittelbaren Schauplätze in den ehemaligen sozialistischen Ländern hinaus eine fundamentale Verschiebung politischer Horizonte ein: jene umfassenden Konzepte gesellschaftlicher Veränderung, die das politische Handeln auch in westlichen Gesellschaften maßgeblich (als Ideal/ Utopie oder als Feindbild) geprägt hatten, galten nun nicht mehr.
Mit dieser Entwertung ideologischer Konzepte und utopischer Entwürfe ging in den letzten Jahrzehnten auch eine gewisse Desillusionierung und ein zunehmendes politisches Desinteresse einher, das gerade angesichts der aktuellen globalen Probleme von vielen Seiten beklagt worden ist.
Die Veranstaltungsreihe hat dazu eingeladen, der Frage nachzugehen, ob und wie die Erfahrung von 1989/90 als Moment aktiver politischer Teilhabe als Model oder Ressource zum Nachdenken über politische, nicht-ideologische Handlungsformen genutzt werden kann. Es wirft dabei zum einen den Blick zurück auf Materialien aus der Zeit 1989/90, aber schlägt auch vor, die aktuellen Formen der Bezugnahme – in Gedenkveranstaltungen, in den Medien, in Kunst und Film – auf diesen historischen Moment zu betrachten und zu diskutieren, inwiefern diese Formen des Umgangs mit Geschichte auch Arten des politischen Denkens und Handelns sind.
Die Veranstaltungen haben in den historischen Gebäuden der Kunstfabrik am Flutgraben – einem ehemaligen Betrieb auf dem Grenzstreifen – stattgefunden. Der Veranstaltungsort war als Ort der Überschneidung zwischen historischem Schauplatz und aktuellem Kunstraum ein Bestandteil des Veranstaltungskonzeptes, zum einen als Material, aber auch deshalb, weil der besondere Ansatz des Projekts in der Verwendung künstlerischen Materials im Zusammenhang mit politischen und historischen Veranstaltungen liegt. Es ging darum, einen Austausch zwischen den unterschiedlichen Interessentengruppen, die sich in Berlin mit dem Thema der DDR-Geschichte beschäftigen – auf politische, historische oder künstlerische Weise – zu initiieren, zwischen denen oft wenig Austausch besteht.

Das Veranstaltungsprogramm sollte zu einer Auseinandersetzung mit der historischen Erfahrung von 1989/90 einladen, die konkrete politische Praktiken und Inhalte dieser Zeit fokussiert, und diese auf ihre aktuelle Relevanz hin befragt. Es schlägt so vor, dem gegenwärtig häufig beklagten politischen Desinteresse diese gelebte Erfahrung der politischen Teilhabe entgegen zu setzen. Gleichzeitig ist es ein Anliegen des Projektes, politisch aktive, historisch interessierte und künstlerische Kreise mit einem Interesse an dieser Thematik zusammenzuführen und einen Austausch über disziplinäre Grenzen hinweg anzuregen.

Zusammenfassung der Veranstaltungen:

11. Juni, 17 – 19 Uhr:
„Phantasmagorias of History – 1989 und andere Gespenster der Geschichte“
Gespräch im Flutgraben e.V. mit Svetlana Boym. Moderation: Elske Rosenfeld

Die Veranstaltung diente zu Einführung und Kontextualisierung der Themen der Veranstaltungsreihe. Die Literaturwissenschaftlerin und Künstlerin Svetlana Boym sprach zu ihrer theoretischen und künstlerischen Auseinandersetzung mit historischen Umbruchsituationen in Osteuropa und zu der Frage, wie man sich jenen Potentialen bestimmter historischer Situationen, die nur teilweise oder nicht verwirklicht werden konnten, aus dem Heute annähern kann. Nach dem Vortrag von Boym fand ein Gespräch zwischen Boym und Elske Rosenfeld unter Einbeziehung des Publikums statt, bei dem Themen wie die Gefahr und das Potential der Nostalgie als Zugang zu Geschichte, und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Umbruchssituationen in Osteuropa besprochen wurden.

10. Juli, 17 – 19 Uhr
„Kunst und 89“
Gespräch, Flutgraben e.V., mit Tina Bara, Claus Löser und Angelika Richter. Moderation: Elske Rosenfeld

Die Veranstaltung konzentrierte sich auf zwei Fragenkomplexe: das Verhältnis alternativer Kunstszenen in der DDR zur Politik und die Schwierigkeiten mit der Bewertung dieser mit dem heutigen, westlich geprägten, kunsthistorischen und theoretischem Vokabular. Dabei trat vor allem die Problematik zu Tage, dass Künstler in der DDR zunehmend politik- und gesellschaftsfern zu arbeiten versuchten, um sich dem staatlichen Anspruch nach einer gesellschaftlichen Rolle zu entziehen, heute aber vor allem in ihrer politischen Funktion und Verwobenheit in staatstragende oder aber widerständige Positionen gesehen und historisiert werden. Hierbei wurden auch die derzeitigen Debatten über eine solche Unterscheidung zwischen Staatskunst und nonkonformer Kunst skizziert und die damit verbundenen Schwierigkeit diskutiert. Zudem sprachen die KünstlerInnen und KunsthistorikerInnen über ihre eigene Involviertheit in diese historischen Prozesse, sei es als Teilnehmer oder Beobachter.

31. Juli, 17 – 19 Uhr
„1989 als Werkstatt des Politischen“ Gespräch im Flutgraben e.V. mit Sophia Bickhardt, Bernd Gehrke und Annett Gröschner. Moderation: Elske Rosenfeld

Die Veranstaltung versuchte eine Rückschau auf die Gedenkprozesse und -veranstaltungen des letzen Jahres, in denen die Teilnehmerinnen teilweise involviert waren. Es wurde über die Frage diskutiert, ob und wie die politisch-utopischen Aspekte von 1989/90 in unterschiedlichen Formen des Gedenkens sichtbar werden und Vorschläge diskutiert, wie die Erfahrung von 89/90 als Ressource des politischen Arbeitens heute funktionieren kann, welche Aspekte dieser Erfahrung noch heute relevant sind. Gleichzeitig sprachen die Teilnehmer über ihre Doppelrolle als Zeitzeugen und Erinnerungsarbeiter, und die damit verbundenen Probleme, aber auch die Stärken eines historischen Arbeitens aus der eigenen biografischen Erfahrung heraus.

31. August, 19 -21 Uhr
„Politisches Arbeiten in der Tradition von 1989?“ Gespräch im Flutgraben e.V. mit Sebastian Gehrhardt, Andreas Fanizadeh und Dirk Teschner. Moderation: Elske Rosenfeld

Das Gespräch lud zum einen Vertreter von Gruppen und Institutionen, wie dem Haus der Demokratie und Menschenrechte und der Zeitschrift telegraf ein, über die Kontinuität ihres Arbeitens zu reflektieren, das in der oppositionellen Bewegung der DDR entstand, sich aber bis ins Heute fortsetzt. Es ging um die Frage danach, wie man der Besonderheit einer solchen politischen Tradition und ihrer Unterschiedlichkeit von westdeutschen politischen Traditionen gerecht wird, ohne in klischeehafte Zuschreibungen zu verfallen. Zum anderen wurde eine konkrete historische Situation der frühen 90er aufgegriffen, in der politische Gruppen aus Westdeutschland mit ostdeutschen Gruppen zusammentrafen, als ein Zusammenschluss linker Gruppen und Bands aus den alten Bundesländern eine Anti-Rassismustournee durch verschiedene ostdeutsche Städte organisierten. Dieses Beispiel eignete sich sehr gut, um die zum Teil doch beträchtlichen damaligen Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten einer Neubewertung zu unterziehen und gemeinsam zu überlegen, wie heute ein angemessener Umgang mit diesen Unterschiedlichkeiten – soweit noch existent – gefunden werden kann.

Rückblick ausführlicher unter http://www.elskerosenfeld.net/projekte/bleibe-im-land/

 

 

Veranstaltungen

So, 26. 03. um 10:30

Arbeitskonferenz der AGs des Netzwerkes der stadtpolitischen Initiativen i.G. + Mit Recht-auf-Stadt ins Parlament!? Perpektiven munizipalistischer Plattformen in Barcelona und Rom

Doppelte Initiativen-Werkstatt

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Do, 30. 03. um 19:00

Digitale Aufrüstung zum Cyberkrieg?

Vesper – Menschenrechte aktuell

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